Jelena Treutlein

Die Histaminintoleranz

Gastbeitrag von Jelena Treutlein

Vielleicht kennst du das. Nach dem Essen wird dein Gesicht rot, Stunden später juckt dein ganzer Körper und deine Nasenschleimhäute schwellen an, sodass du denkst, du hättest dir eine Erkältung eingefangen. Du hast Verdauungsstörungen und dein Herz rast? Diese diffusen Symptome können ein Zeichen für Histaminintoleranz sein. Gerade, weil die Symptome zu breit gefächert sind und oft zeitverzögert auftreten, ist es nicht leicht herauszufinden, was mit einem nicht stimmt.

Ich selbst habe erst durch eigenes Beobachten und Recherchieren meinen Arzt darauf gestoßen, dass ich betroffen sein könnte.

Aber was ist Histamin eigentlich?

Histamin ist ein körpereigener Stoff, der im Körper zur Signalübertragung bei Infekten oder allergischen Reaktionen dient. Dadurch wird der Körper in eine Art Alarmbereitschaft versetzt. Das Histamin wird normalerweise durch die sogenannte Diaminoxidase wieder abgebaut. Wenn aber eine Histaminunverträglichkeit vorliegt, dann fehlt gerade dieser Stoff, sodass der Körper quasi dauerhaft auf Alarm schaltet.

Die klassische „Behandlung“ besteht also darin, durch Tabletten diesen Abbaustoff zuzuführen und die Lebensmittel, die Histamin enthalten oder dessen Freisetzung im Körper fördern, wegzulassen. Allerdings findet sich Histamin in einer Unmenge von Lebensmitteln. Immer dann, wenn Gärungsprozesse entstehen oder Nahrungsmittel lange lagern, entsteht dieser Stoff, der also eigentlich ganz natürlich ist.

Ein Beispiel: Du isst eine Pizza Salami und trinkst dazu ein Glas Rotwein. Im Teig der Pizza befindet sich Hefe, die durch Gärung entsteht. Die Salami und der Käse sind lange gereift und der Wein vergoren. Wenn danach bei dir folgende Symptome auftauchen, lohnt es sich, einen Bluttest auf Histaminunverträglichkeit durchzuführen:

  • Anschwellende Nasenschleimhäute, laufende Nase, Niesen
  • Verdauungsprobleme: Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Sodbrennen
  • Juckreiz, Hautausschlag, Hautrötungen
  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche
  • Herzrasen, Herzstolpern
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit

Ich selbst hatte all diese Beschwerden dauerhaft und kann heute sagen, dass sie dank Ayurveda kaum noch auftreten. Mein Speiseplan orientiert sich nicht mehr an den einschlägigen Listen, sondern ich spüre in mich hinein, was mir guttut.

 

Wie hat Ayurveda mir also geholfen?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten treten immer wegen eines schwachen Agnis, dem Verdauungsfeuer, auf. Während meiner Panchakarmakur wurde genau dort angesetzt und insbesondere mein Pitta Ungleichgewicht behandelt. Eine solche tief greifende Kur kann sich nun aber nicht jeder leisten.

Deshalb hier ein paar Tipps, wie du deine Histaminintoleranz durch Ayurveda selbst behandeln kannst:

Starke Verdauung

Stärke dein Agni. Dafür solltest du Zwischenmahlzeiten vermeiden und nur drei Mahlzeiten pro Tag essen.

Stress vermeiden

Achte auf Dein Stresslevel, denn auch Stress triggert Histamin im Körper. Hier helfen Yoga und Meditation oder Journaling genauso wie die ayurvedische Morgenroutine.

 

Abendroutine

Da Histamin auch den Schlaf-Wach Rhythmus mitbeeinflusst, ist auch eine Abendroutine ein schönes Tool. Ich selbst mag es gerne, mir abends vor dem Schlafen die Füße mit warmem Sesamöl einzureiben, in das ich vorher noch ein paar Tropfen Lavendelöl gegeben habe.

Ernährung

Was deine Ernährung angeht, orientiere dich an einer Pitta senkenden Diät. Das bedeutet, dass du die Geschmacksrichtungen süß, bitter und adstringierend bevorzugen solltest.

 

Warmes Wasser

Trinke warmes abgekochtes Wasser.

Entlastungstag

Hilfreich ist es, ab und an einen Entlastungstag einzulegen, an dem du nur Kitchari zu dir nimmst. Dieses leicht verdauliche Gericht enthält zwar Mungbohnen und damit Hülsenfrüchte. Die Mungbohnen enthalten aber kein Histamin und sollten mit Gewürzen wie Fenchel, Kumin und etwas Asafoetida gekocht werden.

Gewürze

Fenchel, Kumin und Asafoetida. Diese Gewürze machen beispielsweise die Bohnen des Kitchari leicht verdaulich. Ich selbst habe, als ich Ayurveda entdeckt habe, gerne einige Tage Kitchari gegessen und dann ein neues Lebensmittel getestet.

 
 
 
 
 
 
 

Geeignete und histaminarme Lebensmittel

Süße Äpfel
Birnen
Kokos
Artischocke
Brokkoli
Fenchel
Grünkohl
Karotte
Kartoffeln
Pastinake
Gekochte Rote Beete
Sellerie
Zucchini
Dinkel
Haferflocken
Amaranth
Quinoa
Basmatireis
Eingeweichte und geschälte Mandeln
Basilikum
Dill
Koriander
Minze
Kurkuma
Petersilie
Minze
Kumin
Vanille
Zimt
Ghee
Rapsöl
Olivenöl
Mungbohnen
Steinsalz

Achte auf deine Darmgesundheit

In meiner Panchakarma Kur habe ich gelernt, wie wichtig die Darmgesundheit ist. Ja, über dieses Thema spricht man nicht gerne, aber trotzdem: Ich kann dir dafür regelmäßige Einläufe ans Herz legen. Das notwendige Equipment erhältst du in der Apotheke. Als Abkochung kannst du warmes Wasser oder auch einen Kräutertee verwenden.

Da der Darm hierdurch austrocknen kann, kannst du am Folgetag einen kleinen Einlauf mit warmem Sesamöl durchführen. Auch ein Abführtag kann helfen, weil durch diese Behandlung überschüssiges Pitta ausgeschieden wird. Wichtig ist dabei, dass du danach dein Verdauungsfeuer nicht überlastest und deinem Körper Zeit gibst, sich wieder zu erholen.

Wenn dadurch dein Feuer weniger heftig lodert, werden auch die Symptome immer leiser werden.

Bitte sei insgesamt achtsam mit dir. Ayurveda betrachtet deine Gesundheit ganzheitlich und lädt dich ein, gut zu dir zu sein.

Jelena Treutlein

Dieser Beitrag stammt von der lieben Jelena Treutlein, die eine wahre Expertin in diesem Bereich ist. Sie ist Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin und leidet selbst unter einer Histaminunverträglichkeit.

Wenn du Fragen zu ihrem Beitrag hast, kannst du dich gerne direkt an sie wenden: info@rest-and-digest.de oder auch ihre Website besuchen www.rest-and-digest.de

Passend zum Thema gibt es noch weitere Beiträge für dich!